Menschen vertrauen
Eliza hat als alleinerziehende und berufstätige Mutter damit zu kämpfen, sich und ihren Sohn über Wasser zu halten. Geldsorgen, Konflikte mit ihrem Ex-Mann und die Furcht, ihre Wohnung zu verlieren, setzen ihr zu, aber sie hat gelernt, sich Freiräume
zu schaffen. Die wöchentlichen Treffen der Anonymen Alkoholiker helfen ihr beim Reflektieren ihrer Situation. Zudem versucht sie sich als Dichterin und trägt ihre Lyrik bei Poetry-Slams vor. Bei solch einem Abend lernt sie Sasha kennen, die aktiv ihre Freundschaft sucht. Aber Sasha ist wegen ihrer psychischen Probleme kaum in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen. In dieser Graphic Novel werden zwei Frauen-Biografien aufgeblättert, die von Drogenerfahrungen, dysfunktionalen Beziehungen und Perspektivlosigkeit geprägt sind. Das ist "harter Stoff", die Last der Probleme scheint allein durch die aufkeimende Freundschaft der beiden ertragbar. Dass sich diese Hoffnung als brüchig erweist, ist absehbar und umso deprimierender. Wie die Versuche, "Menschen zu vertrauen" kläglich scheitern, wird besonders in der Illustrierung anschaulich gemacht. Die Figuren sind buchstäblich aus der Form geraten, als teigige Massen sind sie den Anwürfen des Lebens ausgesetzt. Auch durch die Verzahnung der Panels wird deutlich, dass der Kreislauf der Lebenskrisen nicht aufzubrechen ist. Hier liegt eine bedeutende Arbeit vor, die den Leser:innen einiges an Toleranz und Empathie abverlangt. Doch lernt man bei der Lektüre auch, weshalb Lebensentwürfe scheitern können.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Menschen vertrauen
Tommi Parrish ; Übersetzung aus dem Englischen: Christoph Schuler
Edition Moderne (2023)
203 Seiten : farbig
kt.