Pavils Gesicht
Bei einem Flugzeugabsturz landet Pavil auf einer abgelegenen Inselgruppe. Die Bewohner:innen nehmen ihn zwar auf, bleiben aber distanziert und verschließen sich seinem Interesse. Eine junge Frau, die als Taucherin arbeitet, empfindet Sympathie für
ihn und führt ihn in die Lebensweise und die Rituale der Inselgesellschaft ein. Doch auch sie fühlt sich von ihm getäuscht. Zu Recht? – In dieser Graphic Novel gelingt es anschaulich, das Thema "Fremdheit" von zwei Seiten zu beleuchten: zum einen versteht man das anthropologische Interesse der Hauptfigur, zum anderen bleibt er für die Inselbewohner der Exot, dessen Neugier als wenig vertrauenswürdig erlebt wird. Die abenteuerlichen Tauchgänge verstärken den Effekt, sich als "Außerirdischer" eine fremde Welt zu erschließen. Die eng getakteten Panels und der streng geometrische Seitenaufbau des Comics erinnern an enzyklopädische Aufklärungsgrafiken, was der Story einen beinahe wissenschaftlichen Rahmen verleiht. Auch der Zeichenstil der Ligne claire betont das Objektive dieser doppelten Fremdheitserfahrung. Der offene Schluss und die Bild- und Textfragmente im Anhang sorgen für eine experimentelle Note. So ist dieser große, fesselnde Roman dramaturgisch und grafisch überzeugend umgesetzt, sodass er breit empfohlen werden kann!
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Pavils Gesicht
Jeremy Perrodeau
Edition Moderne (2024)
174 Seiten : farbig
fest geb.