Dame zu Fuchs
Der märchenhaft-phantastische Roman des preisgekrönten britischen Schriftstellers (1892-1981) gibt sich so realistisch wie nur irgend möglich ("... die plötzlich Verwandlung Mrs. Tebricks in eine Fähe ist erwiesene Tatsache", S. 8) und ist natürlich
trotzdem - ähnlich wie Franz Kafkas berühmteste Erzählung "Die Verwandlung" - nichts anderes als eine Parabel. Eine Parabel von der immerwährenden Liebe und wohl auch eine Parabel von einer gesellschaftlich nicht akzeptierten homosexuellen Liebe. Während bei Kafka die Metamorphose von Gregor Samsa zum Käfer bei seiner Familie zunehmend Ekel und Abscheu hervorruft, bis sie ihn am Ende sogar töten, bewahrt Richard Tebrick, als sich seine frisch angetraute Ehefrau vor seinen Augen in eine Füchsin verwandelt, seine Liebe zu ihr bis zu ihrem gewaltsamen Tod. Zunächst setzen Mensch und verständiges Tier weiterhin - natürlich in aller Abgeschiedenheit - ein beinahe eheähnliches Verhältnis fort. Seinen Mitmenschen gilt Richard als bedauernswerter Sonderling und "Irrer". Als sich zunehmend die animalische Natur bei der Füchsin Bahn bricht, sie die Freiheit sucht, sich mit einem Fuchs paart und Nachwuchs bekommt, bleibt Richard all seinem Schmerz und allen Anfechtungen zum Trotz an der Seite des Tieres, versorgt es, so gut es geht, und versucht die Fähe und ihre Jungen vor den Gefahren, denen sie in freier Wildbahn ausgesetzt sind, zu beschützen. - Der schon 1922 erschienene schlanke Roman hat nichts von seiner Anmut und Eindringlichkeit eingebüßt und ist in einem wunderschönen poetischen Erzählton verfasst. (Übers.: Maria Hummitzsch)
Dame zu Fuchs
David Garnett
Dörlemann (2016)
154 S. : Ill.
fest geb.