Heimgehen
Die junge Künstlerin Theresa hat sich in einer fremden Stadt ein Zimmer genommen. Sie überdenkt das Verhältnis zu ihrem Vater, zu dem seit vielen Jahren kein Kontakt mehr besteht. Während sie mittags ruhelos durch die Stadt streift, begegnet sie
unterschiedlichen Personen: einer Mutter und ihrer kleinen Tochter, einem homosexuellen Paar, drei Männern in Anzügen, einer jungen Frau mit Lederjacke, einer vermummten Gestalt. Es wird an diesem Tag einen Amoklauf geben, der das Leben aller, bereits im ersten Kapitel erwähnten Menschen, betrifft. – Elke Cremer erzählt in 24 Kapiteln, nicht chronologisch, von den 24 Stunden eines Donnerstages im September. Die Geschehnisse werden aus unterschiedlichen Blickwinkeln wiedergegeben. Einige Personen kommen mehrmals zu Wort. An diesem Tag kämpfen zwei Männer um ihre Beziehung, sieht ein kleines Mädchen ein Unheil kommen, fiebert ein ehemaliger Redakteur dem Wiedersehen mit seiner Tochter entgegen und drei Männer auf einem Boot fällen eine folgenschwere Entscheidung. Der klug konstruierte Roman verknüpft Schicksal und Zufall und fragt nach den Voraussetzungen für gelingende Beziehungen im gesellschaftlichen Miteinander.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Heimgehen
Elke Cremer
Dörlemann (2026)
186 Seiten
fest geb.