Bevor der Himmel reißt
Piesnitz könnte eine Kleinstadt irgendwo in Deutschland sein. Die Autorin hat den Ort nach Sachsen gelegt, wo Fremdenfeindlichkeit besonders ausgeprägt ist. Die erleben Heer und Dilly, Kinder indischer Migranten, deren Familien jeweils einen konkurrierenden
Imbiss mit Lieferservice betreiben. Beide versuchen in der zunehmend fremdenfeindlichen Umgebung ihren Platz zu finden. Die Autorin, selbst mit indischen Wurzen, versucht den Konflikt der beiden jungen Menschen zwischen den in den Familien gelebten Traditionen und den in Schule und Alltag erlebten pluralistischen Wertvorstellungen darzustellen. Sie trägt damit sicherlich zu interkulturellem Verständnis bei, ein wichtiger Beitrag in einer Zeit mit zunehmendem Rassismus. In der Handlung sind viele Konflikte verarbeitet, z.B. zwischen Klimaaktivisten und Investoren, zwischen Migranten und Rechtsextremen, zwischen traditionellen Werten der Migranten und dem Bedürfnis sich anzupassen, vor allem bei ihren Kindern. Damit hat sich die Autorin ein Forum geschaffen, Nachdenkenswertes über scheinbar Selbstverständliches zur Diskussion zur stellen. Eine reißerische Geschichte ist es nicht, sie könnte (hoffentlich) dennoch auch diejenigen zum Nachdenken motivieren, die sich bisher nicht unbedingt mit dieser Thematik auseinandersetzen wollten. – Überall empfohlen!
Lotte Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Bevor der Himmel reißt
Amani Padda
Arctis (2026)
316 Seiten
kt.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 14