Das Leben ist die größtmögliche Ruhestörung

Der Roman fängt stark an: mit einer Begründung dafür, dass Ohnmachten oft falsch beschrieben werden. Denn der Schwächeanfall, den die Ich-Erzählerin bei einer Vernissage in einer Zürich Galerie erleidet, befreit sie für einen ausgedehnten Augenblick Das Leben ist die größtmögliche Ruhestörung lang aus ihrem Luxusleben. Sie hat nach dem Tode ihres Mannes ein Millionenvermögen geerbt und fördert mit dem Geld die Künste und Künstler. Doch das Leben in Überfülle erfüllt sie nicht, sie isst zu wenig und trinkt zu viel, vor allem Alkohol, und dann stellt sie die Boulevardpresse auch noch in ein ungünstiges Licht. Da kommt eine Ohnmacht gerade recht. Matylda, deren Namen den ‚Kampf‘ in sich trägt, gibt die Kontrolle auf und findet auf einmal die ersehnte Ruhe. Aber nur kurz, in Traumvisionen aus der Vergangenheit. Dann erwacht Julia Kohlis Romanheldin wieder - und lässt die Leser:innen nicht gerade ohnmächtig, aber ziemlich ratlos zurück: was sollen wir mit Matyldas Lebensüberdruss, Leidensdruck und Beobachtungszwang anfangen? Was diese Romanfigur eigentlich will, bleibt unklar; fest steht nur, dass sie die Hilfen ablehnt, die ihr die Freundin und auch der Liebhaber, der zugleich ihr Anlageberater ist, anbieten. Der Roman spielt mit Klischees und entkommt ihnen nicht, er verstrickt sich nach dem überzeugenden Beginn in notorischen Selbstgesprächen und Reisenotizen. Schade eigentlich, denn dieses äußerlich reiche, aber innerlich verarmte Leben hätte spannender erzählt werden können. Deswegen hier keine Empfehlung.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Leben ist die größtmögliche Ruhestörung

Das Leben ist die größtmögliche Ruhestörung

Julia Kohli
Lenos Verlag (2024)

294 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 619269
ISBN 978-3-03-925034-9
9783039250349
ca. 28,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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