Für immer alles
In ihrem beeindruckenden Debütroman erzählt die Schweizer Autorin Jeannette Hunziker die Geschichte der Beziehung einer Tochter zu ihrem Vater, die eigentlich erst nach dessen Tod zu einer solchen wird. Nachdem ihr Polizisten die Todesnachricht überbracht
haben, beleuchtet die Ich-Erzählerin in kleinen episodenartigen Gedanken, Erzählschnipseln, Erinnerungen aphorismenartig ihre Beziehung bzw. Nicht-Beziehung zum Vater. Sie erinnert sich an Fahrten mit einem alten klapprigen VW-Bus, an seinen lebenslangen Alkoholismus. Bei der Inventur in seiner kleinen Wohnung findet sie Tagebucheinträge von seinen Reisen, z.B. nach Indien. Bereits mit zehn Jahren befindet sich die Erzählerin in der Klinik zur Therapie ihrer Essstörung. Mit 12 Jahren erfährt sie, dass sie das Ergebnis einer anonymen Samenspende ist. Sie setzt sich in der Therapie mit dem eigenen Körper auseinander und begreift das Schreiben als Form der Bewältigung. Eineinhalb Jahre trauert sie über den Tod des Vaters, über den sie doch so wenig weiß, und selbst die Bestattung wird zu einer Art Slapstick. Allen Büchereien empfohlen.
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Für immer alles
Jeannette Hunziker
Lenos Verlag (2024)
213 Seiten
fest geb.