Archibald
Archibald ist das, was man leicht euphemistisch ein "Original" nennt. Alles fällt aus dem Rahmen: sein Haus, sein Interieur, sein Aussehen, sein Sprechen und Verhalten. Manches ist wirr und widersprüchlich; in jedem Fall bietet es eine Menge Gesprächsstoff.
Der Kauz tut niemandem etwas zuleide, gehört zum Bild des Viertels dazu und amüsiert die Bewohner. Doch als sein Verhalten mehr und mehr die geschäftigen Funktionsabläufe stört, oft durch harmlose "Streiche", zu denen er Kinder anstiftet, kippt die Stimmung und man lässt ihn einweisen in "eines jener Häuser, die wir eigens für dich und deinesgleichen gebaut haben!" In der Folgezeit aber zeigt sich, dass etwas fehlt, dass er so etwas wie ein geistig-emotionaler Bezugspunkt des Viertels war und ein Wunder geschieht: man holt ihn zurück. - Diese für Kinder gut erfassbare und sehr bedenkenswerte Geschichte über das Anderssein und Toleranz in Gemeinschaften wird in einer freundlich-warmen realitätsnahen Umgebung angesiedelt; allerdings wirken die Bewohner alle ein wenig wie putzige kindliche Zwerge (große, runde Köpfe, Kulleraugen, rote Bäckchen, Stupsnase); alle sind sich zum Verwechseln ähnlich, nur Archibald hebt sich durch seine Kleidung und seinen altmodischen Bart ab von den grau-braunen Menschlein. Sie sind nicht wirklich böse und man sieht ihnen in der Einweisungsszene ihre Betroffenheit und ihr schlechtes Gewissen an. Insgesamt ist es eine geradezu märchenhafte Szenerie. Der umfangreiche Text gibt die Geschichte unaufgeregt und leicht verständlich wieder, er korrespondiert jeweils klar mit den Bildern. Ein sehr eindringliches und trotz des ernsten Themas sehr freundliches Buch, das allen Beständen mit Nachdruck empfohlen werden kann.
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Archibald
Eve Tharlet ; Übersetzung von Peter Baumann
minedition (2021)
[32] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5