Frau Eichhörnchen und der Sturm
Ein Sturm fegt über das Land, Wolken ergießen sich. Die Tiere versuchen, sich in Sicherheit zu bringen, während ihr Wald überflutet wird. Das Eichhörnchen konnte sich retten und wird am nächsten Tag von seinen Freunden gefunden. Gemeinsam suchen
die Tiere nach einem neuen Zuhause. – Es ist eine apokalyptische Geschichte, deren Wucht durch die vermenschlichten Tiere abgemildert werden soll. Erwachsene Vorleser:innen werden die reale Aktualität dieses Katastrophenszenarios erkennen; für die Kinder hingegen werden die Hilfsbereitschaft und die Solidarität der Figuren und nicht zuletzt das (vermeintlich) glückliche Ende wichtig sein. Erzählt wird im Präsens, was Nähe und Unvermitteltheit suggeriert, was aber auch Erschrecken hervorrufen kann. Man sieht den seitenfüllenden Bildern an, dass sie diesen Effekt abschwächen sollen. Der sturmumtoste Wald, das überflutete Land, die nächtliche Rettungsaktion – diese Szenen sind in beinahe impressionistischer Manier ausgemalt, was Schönheit und Wärme vermittelt. Sehr stimmig ist das nicht, aber die jungen Betrachter können sich an dieser Wirkung festhalten, um die Verlorenheit der Figuren zu verkraften. Doch deren Heimatlosigkeit mit elegischen Bildern zu beschönigen, lässt einen zwiespältigen Eindruck zurück. Aufgefangen wird dies allein durch den Appell zu helfen, wo es nottut.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Frau Eichhörnchen und der Sturm
Olivier Desvaux ; deutsche Übersetzung von Igna Gantschev
minedition (2024)
[32] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5