Ataca und der weiße Wolf
Ataca, ein Mädchen von etwa 6 Jahren, lebt im Land der Mitternachtssonne und weiß sehr gut, dass es bei Einbruch der Nacht Zeit ist, das Fischen zu beenden und mit ihren Schlittenhunden nach Hause zu fahren, denn es ist die Zeit der Wölfe. Tatsächlich
warnt ein umsichtiger Nachbar bald vor einem in der Gegend herumstreifenden weißen Wolf und das Mädchen mit dem roten Mäntelchen sorgt sich um die alleinlebende Großmutter. Während der Vater schläft, macht es sich allein mit ihren Hunden auf den Weg, wird aber bald von einem großen, abgemagerten Eisbären aufgehalten, dem sie mitleidig einen Fisch schenkt. Angekommen bei der Großmutter zeigt sich, dass ihre Sorge berechtigt war: der Wolf ist kurz davor, die alte Frau zu fressen und wendet sich nun gierig Ataca zu; sie versucht zu fliehen, sie kämpft, doch nur das Eingreifen des Bären bereinigt die Situation. – Die wunderschönen, meist doppelseitigen Illustrationen vermitteln sehr wirkungsvoll die Vielfalt der weiten weißen Winterlandschaft. Rot und Variationen von Rot stehen für die warmen Innenräume und natürlich für die mutige Hauptperson. Erinnert das ganze Setting sehr an "Rotkäppchen", so erscheint es doch befremdlich, dass hier zwei Raubtiere gegeneinander ausgespielt werden; hier der hilfreiche weiße Eisbär, dort der bösartige weiße Wolf. Das ist sehr schade, vor allem in einer Zeit, in der Wölfe wieder gerne dämonisiert werden; so geht auch von einigen Illustrationen eine bedrohliche Stimmung aus. Trotz aller Faszination für das wirklich ansprechende Buch nur eine eingeschränkte Empfehlung.
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Ataca und der weiße Wolf
Olivier Dupin ; mit Bildern von Éloïse Oger ; deutsche Übersetzung von Jakob Thuswaldner
minedition (2024)
[32] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 4