Die Abwicklung
Der bekannte amerikanische Journalist (für das Magazin "The New Yorker") blickt nicht von außen deskriptiv und abstrahierend auf die amerikanische Gesellschaft in ihrem Wandel. Vielmehr lässt er fiktiv, allerdings auf der Basis gewissenhafter Recherchen,
einzelne prominente (Oprah Winfrey, Joe Biden, Colin Powell, Newt Gingrich, Barack Obama ...) halbprominente (Jeff Connaugthon, Sam Walton) oder auch völlig unbekannte aber repräsentative Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft (Gewerkschafter, Kleinunternehmer, Pioniere, Fabrikarbeiter) zu Wort kommen bzw. er beschreibt sie in eindringlichen Porträts. So entsteht aus 14 Einzelporträts ein mosaikartiges Bild der Befindlichkeit der Nation. Dass er am Beispiel der Städte Youngstown und Tampa die verheerenden Auswirkungen der Deindustrialisierung und dann die Konsequenzen der Finanz- und Wirtschafts- und Immobilienkrise auf eine ganze Region beschreibt, ist eher die Ausnahme. Die US-amerikanische Gesellschaft, ihre bürgerlichen und demokratischen Ideale befinden sich, wie er konstatiert, seit Jahrzehnten in einem unheilvollen Niedergang, wofür er vor allem die politischen und wirtschaftlichen Eliten verantwortlich macht. Offenbar trifft der Autor mit seiner desillusionierenden Bestandsaufnahme den Nerv seiner Zeit. Anders lassen sich die enorme Resonanz und die vielfachen Auszeichnungen (u.a. National Book Award), die sein Bestseller in Amerika (Originalausgabe 2013) erfährt, nicht erklären. Es müsste allerdings kein amerikanischer Autor sein, wenn er nicht mit dem Niedergang die Chance des Neuanfangs verbunden sähe. - Für politisch interessierte Leser sehr zu empfehlen.
Die Abwicklung
George Packer
S. Fischer (2014)
509 S.
fest geb.