Freuden und Mühen der Arbeit
Der bekannte Schweizer Essayist hat in diesem Buch zehn Reportagen zusammengefasst, die verschiedene Aspekte der modernen Arbeitswelt treffsicher, lebendig, kritisch und amüsant zugleich darstellen. Es handelt sich nicht um eine stringent ausgearbeitete
"Theorie der Arbeit", sondern um z.T. geradezu befremdlich-skurril anmutende essayistische Bravourstücke, welche die moderne Technik hochspezialisierter Produktionsprozesse einerseits mit unverhohlener Bewunderung darstellen: Wir staunen heute nicht mehr über die Schöpfung, sondern "mittlerweile fast nur noch über uns selbst" (S.174). Gleichzeitig formulieren sie eine fundamentale Zivilisationskritik, die die Irrwitzigkeit unserer modernen Arbeits- und Lebenswelt thematisiert und auf die innere Zerrissenheit und letztlich die Endlichkeit des Menschen verweist: Die modernen Produktionsbedingungen zeugen nicht nur von einer unglaublichen Spezialisierung, sondern führen auch zu einer hochgradigen Entfremdung zwischen Produkt und Verbraucher. Als Folge ergibt sich der oft unreflektierte und bedenkenlose Gebrauch dieser Produkte. Staunend konstatiert der Autor weiterhin, dass "die größten Summen in unserer Gesellschaft oft mit dem Verkauf der unwichtigsten Dinge verdient werden" (S. 89) und dass der durch Arbeit erwirtschaftete Reichtum einer Gesellschaft in der Regel mit "ihrer geistig-spirituellen Dekadenz" (S. 107) korreliert. Dass Arbeit eine Quelle der Erfüllung sei, entlarvt er ebenfalls als heuchlerische Lebenslüge des bürgerlichen Zeitalters. - Fazit: ein ansprechend, ja geradezu spannend geschriebenes, sehr kontroverses Dokument eines wachen philosophischen Geistes, das zum Nachdenken anregt.
Freuden und Mühen der Arbeit
Alain de Botton
S. Fischer (2012)
352 S. : zahlr. Ill.
fest geb.