Eine Liebe zu sich selbst, die glücklich macht
Margarete Mitscherlich, die 2012 verstorbene große Dame der deutschen Psychoanalyse, wendet sich in ihrem letzten Werk noch einmal den Themen zu, die sie ihr ganzes Forscherleben hindurch beschäftigt haben: die Identität der Frau in einer von Männern
dominierten Welt, die Kindheit der Autorin, ihr Innenleben, ihre Einstellung zum Feminismus. Ist Geschlechtsidentität biologisch oder durch Erziehung eingeleitet? Wird Macht positiv durch Kombination 'weiblicher' Empathie mit 'männlicher' Durchsetzungskraft? (Macht wird hier nicht definiert.) Beim Thema Trauer geht es um persönliche und kollektive Bewältigung, ein Schwerpunkt ist die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Am Ende von Trauerarbeit stehen Loslösung von Bindung und Befreiung oder Schuldgefühl durch Verdrängung. - Kann der Mensch die Facetten seines Innenlebens spiegeln, findet er zu sich selbst und zu einem beständigen Glück, das zufrieden macht, ist Mitscherlich überzeugt. Fachlich fundierte, fesselnd vorurteilslose Erkundung der eigenen, auch geschlechtlichen Identität mit interessanten Einblicken in ihr eigenes Leben. Nicht nur für Mitscherlich-Fans empfehlenswert!
Karola Bartel
rezensiert für den Borromäusverein.
Eine Liebe zu sich selbst, die glücklich macht
Margarete Mitscherlich
S. Fischer (2013)
266 S.
fest geb.