Leben und Ansichten von Maf dem Hund und seiner Freundin Marilyn Monroe
Die sechziger Jahre in Amerika: das ist die große Zeit etwa von J.F. Kennedy, Elvis Presley, Lee Strasberg, Vita Sackville - und von Marilyn Monroe. Marylin bewegt sich zwischen vielen Show- und Politgrößen jener Zeit und Maf, der kleine Malteser,
den sie von Frank Sinatra geschenkt bekam, ist ihr anhänglicher Begleiter. Er versteht die Menschensprache und er kann ihre Gedanken lesen. Als Beobachter ist er natürlich nicht ganz unvoreingenommen, und als Ich-Erzähler kommentiert er scharfzüngig und respektlos die Menschen, denen Marilyn begegnet. Zugleich erzählt Maf private und persönliche Details aus dem Leben seiner ihm vom Schicksal bestimmten Freundin, dieser Ikone, die sich die ganze Zeit am Rande ihrer geistigen Gesundheit bewegt, um den Ansprüchen eines nicht fassbaren Ideals zu genügen.- Die abgeklärte, unaufgeregte Sicht des Hundes auf dieses "liebe, goldene, kindische Amerika, das die Erzählung vom persönlichen Ehrgeiz mit dem Mythos vom kollektiven Bewusstsein verband und daraus eine Hymne ... machte"(S. 143), seine unbestechlichen Blicke hinter die Kulissen menschlichen Verhaltens, die Aufdeckung von Lächerlichkeit und Aufgeblasenheit machen diesen Roman so unterhaltsam. Allerdings sollte der Leser sich sowohl in jener Zeit als auch in der Filmbranche und in der klassischen Literaturszene auskennen, um die Anspielungen und Pointen zu verstehen. Der geschliffene Stil und der psychologische Tiefsinn erfordern darüber hinaus Aufmerksamkeit und Konzentration des Lesers. Die Gestaltung des Covers entspricht der Zeit, in der der Roman spielt: Man meint tatsächlich, ein Buch aus den Sechzigern in der Hand zu haben; ob das beim Leser ankommt, bleibt abzuwarten. Anspruchsvolle Unterhaltung. (Übers.: Anette Grube)
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Leben und Ansichten von Maf dem Hund und seiner Freundin Marilyn Monroe
Andrew O'Hagan
S. Fischer (2011)
333 S.
fest geb.