Der Fluss der Götter
Nach längerer Vorbereitung versuchten 1857 zwei von Herkunft, Vorbildung und Charakter sehr gegensätzliche Personen des britischen Kolonialreiches, Richard Burton und John Speke, von der Sansibar gegenüberliegenden Küste in einer Expedition in
das Innere Ostafrikas zu gelangen, um das seit der Antike bestehende Rätsel, wo der Weiße Nil entspringt, zu lösen. In den Diensten der mehrjährigen Unternehmung, die von der Royal Geographical Society unterstützt wurde, stand mit dem befreiten Sklaven Sidi Bombay ein aus der Gegend stammender, sehr sachkundiger Führer. Während und besonders nach der Expedition brach die Rivalität zwischen beiden Forschern vehement aus. Glaubte Burton fälschlicherweise, der Nil stamme aus dem Tanganjikasee, vertrat Speke die Auffassung, der Nil entspringe im riesigen Victoriasee und versuchte, dies durch eine weitere Reise zu belegen. Nur Speke hatte diesen aufgrund der schweren Erkrankung Burtons 1858 erstmalig erreicht. Die Feindschaft der beiden setzte sich bis zu Spekes plötzlichem Tod 1864 in aller Schärfe fort. – Das von einer britischen Sachbuchautorin verfasste Buch stellt die Expeditionen und die Rivalität Burtons und Spekes in den Mittelpunkt ihrer Darstellungen; bemüht sich aber auch, den Anteil des einheimischen Führers Bombay zu würdigen, und skizziert die beiden Hauptprotagonisten biografisch. Bei Burton wird auch sein weiterer Lebensweg dargestellt. Breit für Büchereien empfohlen, die Bestände mit historischen Reiseschilderungen pflegen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Fluss der Götter
Candice Millard ; aus dem Englischen von Irmengard Gabler
S. Fischer (2023)
412, [16] Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.