Renata wasweißich
Catherine Guérard erzählt von der jungen Dienstmagd Renata, deren größte Sehnsucht die Freiheit ist. Im Mittelpunkt steht ihre Suche nach einem selbstbestimmten Leben jenseits der engen gesellschaftlichen Erwartungen und Abhängigkeiten, die ihren
Alltag prägen. Der Roman begleitet sie auf ihrem Weg, eigene Entscheidungen zu treffen und ihren Platz in der Welt zu finden. Dafür geht sie selbstbewusst und konsequent ihren Weg. Eines Morgens kündigt sie ihre Anstellung bei der Herrschaft, packt all ihre Habseligkeiten in vier Pakete und macht sich auf den Weg in die Freiheit. Einen Koffer lehnt sie ab, denn dieser würde bedeuten, dass sie ihn an einem anderen, festen Ort wieder auspackt. Damit sei sie nicht frei. Dieser radikale Freiheitsbegriff, der das Grundthema des Romans ist, wird von vielen unterschiedlichen Menschen, denen Renata begegnet, immer wieder in Frage gestellt. Doch Renata bleibt dabei: Sie lehnt alle Angebote ab, die Lohn, Wohnstätte oder Anstellung und somit Sicherheit im Sinne der anderen involvieren. So ist dieser Roman, den die Autorin bereits 1967 veröffentlicht hat, eine unkonventionelle und radikale Auseinandersetzung mit der Unabhängigkeit. Ohne Absätze, Interpunktion und Anführungszeichen liest sich das Buch wie ein fortwährendes Selbstgespräch. Renata ist im inneren Monolog mit sich selbst, bewertet und kommentiert jegliche Äußerungen, die von außen an sie herangetragen werden und ist stets im Gedankenfluss. Ein ungewöhnlicher Roman, sowohl was die äußere Textgestaltung als auch das Thema anbelangt. Für anspruchsvolle Lesende, die gerne charakterliche Entwicklungsromane lesen, empfohlen.
Kirstin Kreis
rezensiert für den Borromäusverein.
Renata wasweißich
Catherine Guérard ; aus dem Französischen von Olga Radetzkaja
S. FISCHER (2026)
221 Seiten
fest geb.