33 Place Brugmann
Im August 1939 leben sieben Parteien im Haus Nr. 33 am Place Brugmann in Brüssel. Im Dienstbotenzimmer in der 4. Etage wohnt Masha, eine jüdische Schneiderin, die aus Russland emigriert ist. Unter ihr befinden sich die Familie Sauvin, ein Architekt
mit seiner Tochter Charlotte, und die Familie Raphael, ein jüdischer Kunsthändler mit seiner Frau und seinen beiden Kindern Esther und Julian. Darunter wohnen der verwitwete Colonel Warlemont mit seinem Hund Zipper und das Fräulein Hobert. In der 1. Etage sind ein Rechtsanwalt mit seiner Familie und im Erdgeschoss ein Notar zuhause. Die Familien Sauvin und Raphael sind befreundet, bei häufigen Treffen wird über Kunst und Philosophie diskutiert. Charlotte studiert an der Kunstakademie in Antwerpen, Julian Mathematik in Cambridge. Mit der Besetzung Belgiens durch die deutsche Wehrmacht ändert sich das Leben für die Hausgemeinschaft in Nr. 33. – Die Drehbuchautorin und Juristin Austen lässt alle Bewohner:innen in der Ich-Perspektive zu Wort kommen. Die Eltern Raphael fliehen mit ihrer Tochter nach Schottland, der Sohn geht zur Royal Air Force, Masha taucht mit ihrem Liebhaber in Paris unter. Die anderen beziehen Position zur politischen Lage, manche schließen sich dem Widerstand an, andere paktieren mit den Nazis, aus Überzeugung, oder um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. Der spannende Roman zeigt eindrucksvoll, wie jeder Einzelne vor die Wahl gestellt wird, sich für oder gegen die Menschlichkeit zu entscheiden.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
33 Place Brugmann
Alice Austen ; aus dem amerikanischen Englisch von Frauke Brodd
S. FISCHER (2026)
442 Seiten
fest geb.