Patriot

Die Autobiografie des Alexej Nawalny ist im Kern eine politische und persönliche Anklageschrift gegen das Regime Wladimir Putins. Im Februar 2024 starb der russische Oppositionspolitiker allein in einem Straflager in der Arktisregion unter nicht geklärten Patriot Umständen. Vor seinem Tod hat er seine Erinnerungen aufgeschrieben: Über seine Jugend, seinen Weg zum Oppositionellen, seine Familie sowie seinen Einsatz gegen eine mafiöse Polit-Oligarchie. Das Werk ist ein Solitär in der Menge Putin-kritischer Literatur. Sprachlich, emotional, didaktisch und politisch. Der Erzählstil ist sympathisch, einnehmend, zuweilen geschmeidig. Dass einige Aspekte unvollendet bleiben mussten, schmerzt, mildert das Verständnis aber an keiner Stelle. Nawalny war vielleicht kein Demokrat im westlichen Sinn, aber einer, der seine Familie liebte und sein Land voranbringen wollte. Dabei blieb er intellektuell und charakterlich unbestechlich, was sich daran zeigt, dass er eigene Fehleinschätzungen und manche Sackgassen nicht verhehlt. Er wusste früh, dass er für seine Überzeugungen den höchsten Preis zu zahlen hatte. Der Leser erhält mannigfaltige Einblicke in Nawalnys Vorstellungswelt, bekommt Verständnis für ein Russland jenseits gängiger Zerrbilder, egal von welcher Seite sie immer wieder aufpoliert werden. – Eine Lektüre, die zutiefst berührt. Sehr empfohlen für jeden Bestand.

Werner Wagner

Werner Wagner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Patriot

Patriot

Alexej Nawalny ; aus dem Englischen übersetzt von Rita Gravert [und zwei weiteren]
S. FISCHER (2024)

543, [16] Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig)
fest geb.

MedienNr.: 620025
ISBN 978-3-10-397682-3
9783103976823
ca. 28,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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