So, in etwa, ist es geschehen
Amata arbeitet für einen Wohltätigkeitsorganisation und gründet mit anderen die Initiative "Beyond Reparations", die sich für mehr als symbolische Entschädigungen für die Verbrechen des Kolonialismus einsetzt. Doch heute muss Amata zum Timmendorfer
Strand. Hier, wo ihr Großvater den Beschuss der Cap Arcona überlebte, trifft sie sich jedes Jahr mit ihrer Mutter. Ihr Chef Heinz Brockhaus drängt sich Amata als Fahrer auf und redet die ganze Fahrt über auf sie ein. Schließlich bringt Amata ihn um. – Das Buch beginnt mit der Bitte Amatas an ihre Freundin, ihren Bericht als Buch herauszugeben. Sie hat Brockhaus ermordet, wird vor Gericht stehen, bereut es nicht. Autorin Sharon Dodia Otoo spürt der Frage nach, warum dieser Mord, der auf den ersten Blick völlig unmotiviert erscheint, geschehen ist. Sie hat sich dabei für eine ungewöhnliche Buchstruktur entschieden, die in Amatas Leben hineinführt und Brockhaus selbstgerechtes Gerede nahezu hörbar macht. Dabei beschreibt sie humorvoll und tiefgründig verschiedene Menschen-Typen. Sie verknüpft viele Ebenen miteinander, lässt geschichtliche Tragödien und Marginalisierung mitschwingen und die Suche nach transformativer Gerechtigkeit. Ihr Buch beschreibt den Ausbruch aus einem Gefühl von Wut und Hilflosigkeit, stellt Fragen, provoziert und regt zu Diskussionen an.
Tina Schröder
rezensiert für den Borromäusverein.
So, in etwa, ist es geschehen
Sharon Dodua Otoo
S. FISCHER (2026)
142 Seiten
fest geb.