Königin ohne Land
Heute meist in Vergessenheit geraten, war Kristina von Schweden (1626-1689) zu ihrer Zeit das Gesprächsthema, da sie fast alle Konventionen sprengte, die meisten gesellschaftlichen Erwartungen missachtete und ihr Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich
führte. Das außergewöhnliche Leben dieser besonderen Persönlichkeit stellt die Journalistin Jutta Jacobi in unterhaltsamen Kapiteln vor und gestaltet damit ein lebendiges Bild der vom 30-jährigen Krieg und den nachfolgenden Jahrzehnten geprägten Zeit. Kristina, das einzige Kind des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf, des berühmten Feldherrn und Verteidigers des lutherischen Glaubens gegen die kaiserliche katholische Armee, wird wie ein junger Prinz erzogen, erhält Unterricht in Waffenkunde und Reiten, aber auch in Philosophie, Mathematik und Sprachen. Nach dem frühen Tod des Vaters (1632) wird Kristina zur Königin ausgerufen, bleibt jedoch bis 1644 unter der Vormundschaft des Kanzlers Oxenstierna. In dieser Zeit, aber auch als Königin sorgt sie für Aufsehen, verweigert die Ehe, zeigt dafür großes Interesse für Kunst und Wissenschaft, nähert sich heimlich dem Katholizismus an und plant ihre Abdankung, die sie dann 1654 vollzieht und Schweden verlässt. Im selben Jahr konvertiert sie. Vielen Anfeindungen ausgesetzt, reist sie in die Spanischen Niederlande, nach Innsbruck und Rom, wo sie mit einigen Unterbrechungen bis zu ihrem Tod lebt. Auch in Rom macht sie von sich reden, hat persönliche Verbindungen in höchste kirchliche und gesellschaftliche Kreise, unterstützt und fördert Theater und Künstler, sammelt wertvolle Kunstwerke und gründet eine wissenschaftliche Akademie. – In leicht zu lesenden Schilderungen entwirft die Autorin das Bild einer exzentrischen, intellektuellen, kunstliebenden, eigenständigen und freiheitsliebenden Frau, die in keine der üblichen Normen und Rollenzuschreibungen passte und gerade deswegen nicht vergessen werden sollte.
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Königin ohne Land
Jutta Jacobi
Reclam (2026)
280 Seiten : Illustrationen
fest geb.