Ich bin

Der im Original 1967 erschienene Roman erzählt von der letzten Reise des Afroamerikaners Max Reddick. Unheilbar krank kommt der Journalist, der sein Leben lang gegen die Rassentrennung gekämpft hat, nach Amsterdam, um eine alte Rechnung mit seiner Ich bin niederländischen Frau Margit – sie haben sich schon lange voneinander entfremdet – zu begleichen und in Paris an der Beerdigung seines Mentors Harry Ames teilzunehmen. Dort, in Paris, entdeckt er, dass Harry ermordet wurde – und auch den Grund dafür: Unterlagen zum geheimen "King Alfred"-Plan, mit dem in den USA im Falle von Rasseunruhen Minderheiten wie schwarze Amerikaner beseitigt werden sollen. Max beschließt, diese Papiere in Sicherheit zu bringen – womit die Jagd auf ihn beginnt ... Trotz des Plots ist "Ich bin" in weiten Teilen weniger ein Thriller als eine in drastischen Worten aufgeschriebene Selbstreflexion von Max – seine Selbstreflexion als Afroamerikaner, als Angehöriger einer Minderheit in einer oft feindlichen Mehrheitsgesellschaft. Die Wut, die ihn selbst als Todkranken antreibt, durchzieht den gesamten Text und macht es allen Lesern und Leserinnen leicht, sich in die Figur hineinzuversetzen. Dabei ist Max kein sympathischer Mann, er ist ein Fremdgeher und oft quälend ichbezogen. Trotzdem nimmt man Anteil und wünscht ihm ein Happy End, das es in einem Roman dieser Art nicht geben kann. So bizarr der "King Alfred"-Plan dabei vom Autor geschildert wird – in Zeiten, in denen im Internet wie in der Realität von vielen Seiten her nur zu gerne Hass auf Minderheiten geschürt wird, ist der Roman aktueller denn je. Uneingeschränkt empfohlen.

Friedrich Röhrer-Ertl

Friedrich Röhrer-Ertl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Ich bin

Ich bin

John A. Williams ; aus dem amerikanischen Englisch von Hans-Christian Oeser
Reclam (2025)

535 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 624055
ISBN 978-3-15-011542-8
9783150115428
ca. 32,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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