Ein verlassenes Haus

Sonja hat wahrlich kein einfaches Leben zu bestreiten. Sie zerreibt sich zwischen ihrer Arbeit im Einzelhandel, den mütterlichen und ehelichen Pflichten und leidet zudem unter permanenten finanziellen Sorgen. Hinzu kommt die unerwartete Diagnose von Ein verlassenes Haus Typ 1-Diabetes bei ihrem Sohn Sebastian. Der Verlust ihres Jobs treibt sie schließlich in ein zwielichtiges Geschäftsmodell, bei dem sie unter einem Fakeprofil gegen Bezahlung mit fremden Männern chattet. Wider Erwarten stärkt dies ihr verloren gegangenes Selbstbewusstsein sowie das Gespür für sich selbst, sorgt zugleich aber für ein immer größeres Krisenpotential in ihrer eigenen Familie. Die sehr kurz gehaltenen Sätze dieses Romanes spiegeln die innerliche Unruhe und Daueranspannung der Hauptfigur eindringlich wider. Die Gedanken- und Gefühlswelt der knapp 50-jährigen Protagonistin lassen die Lesenden die deprimierenden, monotonen, auslaugenden, schmerzerfüllten Situationen dieses Familienlebens miterleben. Das Buch bietet ein "offenes Ende", das allen Lesenden die Möglichkeit bietet, die Weiterentwicklung von Sonja und ihren Lebensweg auf ganz individuelle Weise zu entwerfen. Ich fand die Psychologie der Figuren nicht immer nachvollziehbar, insbesondere die Beziehung zu ihrem Mann. Zurück bleibt die Beschreibung einer Familie aus dem Arbeitermilieu in einer nicht ganz stimmigen Geschichte. Für eine aufgeschlossene Leserschaft.

Silvia Eilers

Silvia Eilers

rezensiert für den Borromäusverein.

Ein verlassenes Haus

Ein verlassenes Haus

Lisa Wölfl
Kremayr & Scheriau (2026)

234 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 625457
ISBN 978-3-218-01493-9
9783218014939
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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