Giovanni, du stinkst
„Giovanni, du stinkst“ – mit diesem Satz begrüßt die Mutter stets den immer noch bei ihr wohnenden fast 40-jährigen Sohn Inspektor Giovanni Sinovats, der die örtliche Polizei in Eisenstadt im Burgenland leitet. An einem idyllisch gelegenen
See, umsäumt von vielen ständig bewohnten und als Ferienobjekt genutzten Häusern, einfache Leute und illustre Gesellschaft gemischt, findet sich die angeschwemmte Leiche eines Anwohners. Parallel dazu erhalten die Bewohner die Nachricht der massiven Erhöhung ihrer Pachtverträge. Der geschiedene erschöpfte ehemalige Schönheitschirurg, die beiden Nachbarsfamilien, die gegenseitige Verhältnisse pflegen, die biederen Alten, die schon Jahrzehnte hier wohnen, der Besitzer der Grundstücke, reich und gewissenlos, und die Landesbeamten, die auch ihre Geschäfte machen möchten, sie alle bilden das Personal zu diesem wahren „Anti-Krimi“, der mit den gängigen Vorurteilen versehen eine flotte Geschichte erzählt. Alles übertrieben, etwa wenn die Bewohner nach einem Gasaustritt im See (auch nicht gerade wahrscheinlich) von Reichtum träumen. Christian Klinger erweist sich als Meister seines Faches, die rückwärtsgewandten Schicksale, die vergeblichen Träume usw. mit dem nötigen österreichischen Schmäh zu präsentieren. Wo wird Inspektor Sinovats als nächstes ermitteln? Man wünscht sich eine Fortsetzung! Allen Büchereien sehr empfohlen.
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Giovanni, du stinkst
Christian Klinger
Kremayr & Scheriau (2026)
195 Seiten
kt.