Wie der Himmel klingt
Heiligenkreuz, das "mystische Herz im Wienerwald", zu Lebzeiten Bernhard von Clairvaux' im 12. Jh. gegründet, ist das älteste durchgehend besiedelte Zisterzienserkloster der Welt. Selten kann man Gregorianischen Choral so echt erleben wie hier. Fern
von trocken-wissenschaftlicher Untersuchung beantwortet P. Johannes Paul grundsätzliche Fragen: Wie ist der Choral entstanden? Wann und wo, in welchem Kontext wird er gesungen und gepflegt? Wofür steht er? Was vermittelt er? Was löst Choral in uns aus? Diese älteste schriftlich überlieferte Grundlage aller abendländischen Musik ist in ihrer Einstimmigkeit Einheit stiftend: im gemeinsamen Atmen, aufeinander Hören, still und aufmerksam für die anderen Werden kann im übertragenen Sinn und ganz praktisch Einheit erlebt und dem Glauben musikalischer Ausdruck verliehen werden. Der Autor informiert über die Geschichte des Zisterzienserordens und des Klosters Heiligenkreuz, die Regel des Hl. Benedikt und den Tagesablauf der Mönche. An manchen Stellen muss man schmunzeln, etwa wenn P. Chavanne beschreibt, warum in Heiligenkreuz rekordverdächtig viel Kaffee konsumiert wird, woher der Ausdruck "Halt die Klappe" kommt, was Madonna, Falco und DJ Ötzi mit Heiligenkreuz gemeinsam oder was George Michael, aber auch Schokopralinen und Fruchtgummis mit dem Gregorianischen Choral zu tun haben. Wer nun Lust verspürt, selbst Choral zu singen, erhält Tipps zum Ausprobieren - Musik ist nicht zum Lesen da, sondern zum Singen und zum Hören. Liebhaber dieser ursprünglichen, himmlischen Klänge ebenso wie Interessenten an gemeinschaftlichem Lebens- und Glaubensvollzug, Betrachtung, Gebet und Meditation werden sich von dem Buch begeistern lassen.
Gabi Radeck
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wie der Himmel klingt
Johannes Paul Chavanne
Styria Verlag (2022)
191 Seiten : Illustrationen (teilweise farbig), Noten
fest geb.