Matisse und sein Garten
Als es Matisse wegen seiner Erkrankung nicht mehr möglich war, mit Pinsel und Leinwand zu arbeiten, entwickelte er eine andere Idee, nämlich das Ausschneiden stilisierter Formen und ihr Zusammenfügen zu Collagen. Aus der Not heraus geboren, wurde
diese Idee in all ihren Spielarten eine letzte bedeutende künstlerische Epoche für den Maler. Die Vögel, Fische, Blumen und Wolken, die aus verschiedenfarbigen Papieren ausgeschnitten wurden, fügten Matisse (und seine Assistenten) zu nach und nach größer werdenden Arrangements zusammen, wobei sogar auch die Papierreste verwendet wurden. Die Experimente mit harten oder weichen Farbkontrasten und plakativen Ausdrucksformen legten den Grundstein für die Pop-Art der 60er Jahre. Auf die heutigen Betrachter wirken seine späten Collagen als ungemein vitale, ja fröhliche und jugendliche Werke, die seine frühen Arbeiten fast überstrahlen. Es gelingt diesem Kinderbuch aufs Schönste, diese Ausdruckskraft auf jeder Seite einzufangen. Seine Methode wird erzählerisch in einfachen Texten und auf den Seiten selbst dargestellt. Sehr gekonnt wird die Bildgeschichte "nach" Matisse in Collagen selbst vorgeführt; nahtlos fügen sich acht seiner Werke in großen Doppelbögen ein. Die Welt als farbenfrohe Materialsammlung zu begreifen und abzubilden, ist eine Haltung, die sich dieses Kinderbuch wunderbar zu Eigen macht und die womöglich den jungen Betrachtern selbst Impulse geben kann.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Matisse und sein Garten
eine Geschichte von Samantha Friedman. Mit Ill. von Cristina Amodeo
Diogenes (2017)
[22] Bl. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 6