Die Liegenden
Immer wieder fragt sich Brenno Alzheimer, ob er seinen Sohn oder einen Fremden vor sich hat, denn er selbst war als Jugendlicher ganz anders. Sein Sohn dagegen zieht es vor, bis nachmittags zu schlafen oder sich auf dem Sofa zu fläzen, zu chatten
und im Internet zu surfen. Danach verlässt er das Haus, um 300 Meter weiter zusammen mit seinen Freunden ungefähr dasselbe zu tun. In herabhängenden Jeans, T-Shirts mit Brandflecken und immer denselben Sneakers vertrödelt er seine Zeit. Mit viel Humor, philosophischen Betrachtungen und spitzfindigen Bemerkungen über die Lebensansichten von Jung und Alt hält Serra uns einen Spiegel vor. In locker-flockigem Stil karikiert er letztlich nicht nur die Lebensart der Jungen, sondern auch die seiner eigenen Generation mit ihren festgefahrenen, tradierten Vorstellungen wie 'man' zu leben hat. Der in der Ich-Form geschriebene Roman mit seinen allgemein gehaltenen Typen als Figuren behandelt ein für viele - nicht nur Eltern - nervenaufreibendes Thema auf amüsante Art. (Übers.: Julika Brandestini)
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Liegenden
Michele Serra
Diogenes (2014)
149 S.
fest geb.