Ohne Furcht und Tadel
Die Familie Crouchback ist gut situiert und gut katholisch; der Sohn Guy, Mitte dreißig, geschieden, lebt seit längerem auf einem Anwesen der Familie in Italien. Doch bei Kriegsausbruch meldet er sich voller Idealismus freiwillig. Crouchback muss
nun aber erfahren, dass der Kampf gegen Nazideutschland für ihn und eine ganze Reihe Gleichgesinnter so schnell nicht beginnen kann. Zum Zwecke der Ausbildung wird die bunt zusammengewürfelte Truppe in verschiedenen Trainingslagern innerhalb und außerhalb Englands stationiert. Bis sich herausstellt, welcher Einheit Crouchback letztlich zugeteilt wird, vergehen Monate; es vergeht viel Zeit, die zumeist mit Nichtstun oder unnötigen Aktionismus ausgefüllt wird. Desillusioniert erlebt Crouchback dann irgendwann ernste Einsätze. Ursache für Misserfolge ist häufig schlechte Organisation, sich immer wieder widersprechende Befehle oder auch Feigheit einzelner Offiziere. - Evelyn Waugh war ein erfolgreicher Autor und hat mit diesem umfangreichen Roman (erstmals erschienen 1952 bzw. 1965) wohl auch Autobiografisches verarbeitet. Es ist eine Geschichte voller Satire und auch Spott. Oft ist nicht erkennbar, was ist Tatsache und was ist einfach nur fabuliert. Bei manchen Tristesse-Szenarien rückt die Ironie aber dann doch in den Hintergrund. Es ist eine diffizile, komplexe, gelegentlich etwas sperrige Geschichte für ausdauernde Leser. Für Büchereien mit ausgebauten Beständen aber sicher geeignet. (Übers.: Werner Peterich)
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ohne Furcht und Tadel
Evelyn Waugh
Diogenes (2016)
976 S.
fest geb.