Eine Nacht, die vor 700 Jahren begann
Julka und Marci, Angehörige der verfolgten Roma, sind mit knapper Not einem Todeskonvoi entkommen. In einem kleinen, abgelegenen Dorf in der ungarischen Provinz kommen sie bei einem alleinstehenden Bauern unter. Im Ort herrscht bittere Armut; Hunger
und Entbehrung prägen seit jeher das Leben der Bewohner. Die Zeit scheint still zu stehen, selbst die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs berühren das Dorfleben kaum. Die Obrigkeit im Schloss lenkt die Geschicke, so wie sie es seit mehr als 700 Jahren tut. Doch dann keimt die Saat der Rebellion: Die Bauern rufen zum Streik auf, solidarisieren sich gegen ihre Unterdrücker und zwingen diese zum Handeln. Julka und Marci geraten zwischen die Fronten und müssen eine folgenschwere Entscheidung treffen. - Spannend, mit viel Einfühlungsvermögen und Liebe zum Detail entfaltet der Autor (1901 – 1958) ein episch breit angelegtes Panorama. Das unscheinbare Dorf Kákásd wir zu einem Universum, in dem archaische Kräfte walten. Vom ersten Satz an zieht der Roman die Lesenden in seinen Bann und lässt sie bis zur letzten Seite nicht los. Ganz großes Kino – absolut lesenswert!
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Eine Nacht, die vor 700 Jahren begann
János Székely ; aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach
Diogenes (2023)
697 Seiten
fest geb.