So wenig Buchstaben und so viel Welt

Unterhaltsam und tiefsinnig sind die 35 ausgewählten „literarisch funkelnden und zugleich geistreichen“ Reise-Essays eines der großen Schweizer Autoren und Journalisten Hugo Loetscher, der von 1929-2009 lebte und hauptsächlich über seine Reisen So wenig Buchstaben und so viel Welt in Länder Latein- und Nordamerikas sowie Asien schrieb und sich dabei mit der Kolonialgeschichte auseinandersetze. Er liebte den transnationalen Kontakt, den Austausch und Dialog. Man kann sagen, für ihn war Globalisierung nichts Neues. Aus allen Enden und Winkeln dieser Welt berichtet er. Beispielhaft sind die Azoren, auf halbem Weg nach Amerika, zu nennen. Die Leser:innen erfahren etwas über Besiedlung durch Portugiesen vor 500 Jahren, über Thunfischer, vom Ende des Walfangs, von der Verbindung des Wasserkabels für die telegrafische Verbindung zwischen Europa und Amerika, vom geologischen Zusammenstoß der afrikanischen und der amerikanischen Erdplatte. Loetscher erlebt aber auch europäische Städte wie Paris und Kiew oder den Berliner Bezirk Prenzlauer Berg mit seinen Biergärten und Kneipen oder die „urbanistische und ideologische Säuberung“ nach dem Fall der Mauer samt alten und neuen Graffiti an Hauswänden („Wer nicht kämpft, stirbt in Raten“). Fast 500 Seiten beste Reportagen, gewürzt mit Ironie und Selbstironie.

Berthold Schäffner

Berthold Schäffner

rezensiert für den Borromäusverein.

So wenig Buchstaben und so viel Welt

So wenig Buchstaben und so viel Welt

Hugo Loetscher
Diogenes (2024)

478 Seiten : Illustrationen (teilweise farbig)
kt.

MedienNr.: 619090
ISBN 978-3-257-07276-1
9783257072761
ca. 29,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Er
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