Stunden wie Tage

In einer erzählerisch ausgeschmückten Romanrecherche zeichnet Shelly Kupferberg das Leben der Hausmeisterin Martha nach. Sie wird als junge Frau Ende der 1920er Jahre von den Brüdern Berkowitz engagiert, um sich um deren Mietshaus in Berlin-Schöneberg Stunden wie Tage zu kümmern. Sie kassiert die Mieten, hält das Haus sauber und beauftragt Handwerker für Reparaturen. Auch als sie den Postboten Willy heiratet, bleibt sie im Haus wohnen. Zu ihrem Chef Henry Berkowitz entwickelt sich eine fast familiäre Beziehung. Die kinderlose Martha beschäftigt sich liebevoll mit der kleinen Tochter Liane. Herny Berkowitz entkommt 1938 in letzter Minute den Nazis, er lässt seine Frau und sein Kind zurück und übergibt das Haus in Marthas Obhut. Die blutjunge Liane Berkowitz kommt über ihre Schule in Kontakt mit dem Widerstandskreis um die "Rote Kapelle", wird beim Plakatkleben erwischt und kommt – schwanger – in Haft. Sie entbindet das Kind und wird ein paar Monate später in Plötzensee hingerichtet. Eine Tafel erinnert heute an sie am Berliner Viktoria-Luise-Platz. Martha vererbt das Schöneberger Haus nach ihrem Tod an die jüdische Gemeinde in Berlin. – Eine exemplarische Recherche und ergreifende Schicksale, ein Denkmal für eine unerschütterliche, einfache Frau. Zum breiten Einsatz gerne empfohlen.

Marion Sedelmayer

Marion Sedelmayer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Stunden wie Tage

Stunden wie Tage

Shelly Kupferberg
Diogenes (2026)

265 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 624755
ISBN 978-3-257-07348-5
9783257073485
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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