Tal der Schwalben
Im Genre der Climate Fiction stehen der Klimawandel und seine Folgen im Mittelpunkt, hier in der alpinen Berglandschaft der Schweiz. Gletscherschwund und Wasserknappheit, Gerölllavinen und Bergstürze: Vor dieser realistischen und bedrohlichen Kulisse
spielt sich ein Kampf um die Zukunft der Stromversorgung ab. Das Sagen hat die Wirtschaftselite in der „Metropolitane“, deren Lobby-Interessen längst die Politik und die Berichterstattung dominieren. Für Experimente zur Stromerzeugung werden die Alpen abgeriegelt, die Bewohner von Pradetta werden zum Verlassen ihres Bergdorfs aufgefordert. Der Wissenschaftler Alesch, ein Experte für subthermale Fusion, soll Messungen zu den beunruhigenden Wetteranomalien in seinem Heimatdorf unterhalb des Gletschers Arabrena durchführen und die hartnäckigen Dörfler zum Umzug bewegen. Ist er einzig und allein der Forschung verpflichtet oder handelt er im Auftrag der mächtigen Stromgesellschaft, die die „Resistenza“-Bewegung fürchtet? Oder hat ihn, der doch mit seiner Kollegin Chantal liiert ist, die Nachricht über die bevorstehende Hochzeit seiner Jugendliebe Annetta nach Pradetta geführt? – Kenntnisreich und überzeugend integriert der Roman wissenschaftliche Ansätze und tagespolitische Themen wie die Energiekrise, den Klimaaktivismus oder den Naturschutz und verwebt sie mit kulturellen Mythen rund um die Schweizer Bergdörfer und deren Bevölkerung. Sie alle wirken in dem Familien-, Liebes- und Berufsleben der gut gezeichneten Figuren – etwa der einflussreichen Chefin des Energieunternehmens Sofia Malitzky oder des heimatverbundenen Dorfältesten Baba Gian, der den schwindenden Gletscher auf seinen Bildern festhält. Ein Buch, das aufrüttelt und zum Nachdenken bewegt, für alle Bestände empfohlen.
Slávka Rude-Porubská
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Tal der Schwalben
Seraina Kobler
Diogenes (2026)
339 Seiten
fest geb.