Mit anderen Augen
Hauptpersonen des Romans ist Tilda Finch, eine 52-jährige Frau, die seit ihrer Trennung vor ca. fünf Jahren alleine lebt. Als ihre Kinder (jetzt 21-jährige Zwillinge) klein waren, hat sie zusammen mit ihrer besten Freundin ein Unternehmen gegründet,
das Kalender, Tassen, T-Shirts etc. mit Motivationssprüchen und Lebensweisheiten verkauft. Dort bringt sie sich immer noch als Fotografin ein. Von einem Tag auf den anderen werden bei ihr immer mehr Körperteile unsichtbar. Nachdem sie die erste Panik überwunden hat, erfährt sie von einer Ärztin, dass das mit den Berichten über das „Unsichtbarwerden“ von Frauen in ihrem Alter wohl doch nicht nur im übertragenen Sinn gemeint ist, sondern dass es sich hier um eine echte Krankheit handelt, die relativ viele Frauen betrifft. Auf Anraten ihrer Ärztin besucht sie eine Selbsthilfegruppe. Ihre beste Freundin schickt sie zusätzlich zu einer darauf spezialisierten Therapeutin, um die Ursache für ihre Krankheit aufzudecken. – Was sie auf diesem Weg alles erlebt, ist sehr tiefgründig, aber gleichzeitig auch unterhaltsam und humorvoll beschrieben. Auch wenn diese Suche einiges an Zeit beansprucht, ist es doch sehr interessant, die Protagonistin dabei zu begleiten. Tilda erkennt dabei ihre Probleme mit mangelndem Selbstbewusstsein, sich selbst Zurückstellen und negativem Selbstbild. Sie muss erst lernen, sich selbst richtig zu sehen, um auch wieder für andere sichtbar werden zu können. – Sehr zu empfehlen.
Christine Schuster
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mit anderen Augen
Jane Tara ; aus dem australischen Englisch von Tanja Handels
Diogenes (2026)
490 Seiten
fest geb.