Das Klimpern der Schlüssel

Anne ist das einzige Kind René Goscinnys (1926-1977), des Schöpfers von „Asterix“, „Lucky Luke“ und dem kleinen „Nick“. Als der Vater völlig überraschend starb, war sie neun Jahre alt und mit der Situation völlig überfordert, zumal Das Klimpern der Schlüssel auch noch ihre Mutter an Krebs erkrankt war. Später wird sie behaupten, er sei an der auch für ihn kräftezehrenden Krankheit seiner Frau gestorben. Hier jedoch schrieb sie 35 Jahre nach seinem Tod 2012 einen Brief an ihren verstorbenen Vater, nicht an den berühmten Autor, sondern mit einfachen Worten sehr persönlich und ergreifend an ihren Papa. Zu dessen 100. Geburtstag am 14. August erschien das Buch nun auch auf Deutsch. Für das kleine Mädchen glänzte der Vater hauptsächlich durch Abwesenheit, Goscinny war ein Workaholic, aber es gab ihn wenigstens. Als erstes fiel ihr nach seinem Tod das Fehlen des klimpernden Geräuschs auf, wenn beim Heimkommen der Schlüsselbund auf das Flurschränkchen geworfen wurde. Anne suchte sich „Ersatzväter“, die ihr kurzzeitig Halt gaben, kaufte sein Parfum, sah Filme an, hörte Aufnahmen mit ihm, las alte Briefe, erfuhr von der jüdischen Vergangenheit seiner Familie, stellte den Arzt zur Rede, dem sie die Schuld gab. Die wenigen persönlichen Erinnerungen, von denen sie gegen Ende zu erzählt, bezeichnet sie als ihren größten Schatz. Erst als ihre eigenen Kinder die Bücher ihres Opas mit Begeisterung lesen, fühlt sie sich ein wenig getröstet. Als literarisches Kleinod überall empfohlen.

Barbara Riedl

Barbara Riedl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das Klimpern der Schlüssel

Das Klimpern der Schlüssel

Anne Goscinny ; aus dem Französischen von Ina Kronenberger
Diogenes (2026)

79 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 626574
ISBN 978-3-257-07399-7
9783257073997
ca. 19,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Li
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