Unheimliche Eroberer
Von jeher haben sich Pflanzen und Tiere über die Kontinente ausgebreitet, sich ihren neuen Lebensraum erobert und ihren Platz im Biokreislauf gefunden. Zugewanderte Tiere wurden durch entsprechende Fressfeinde reguliert. Mit der Veränderung von Lebensräumen,
der Intensivierung der Landwirtschaft und der damit einhergehende Verminderung der Artenvielfalt bekommen invasive Pflanzen und Tiere die Möglichkeit, sich ungebremst auszubreiten. Dadurch erst werden sie zu einer Gefahr für das natürliche Gleichgewicht unserer Region. Ausgehend von diesen Überlegungen des Herausgebers werden die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schäden durch die Invasoren diskutiert. Verschiedene Autoren porträtieren danach die 24 schlimmsten Eindringlinge. Dazu zählen bei den Pflanzen u.a. die extrem aggressive Ambrosia, die sich rasch ausbreitenden Knötericharten, der gefährliche Bärenklau oder das pestartig sich vermehrende Springkraut. Wirbellose Tiere wie die Tigermücke, der Kartoffelkäfer, Honigmilben und der Maiswurzelbohrer richten einen ungeahnt hohen Schaden an. Vormals nützliche Tiere wie Marienkäfer und Ameisen wurden durch ihre neuen Artgenossen zu Landplagen. Ohne natürliche Feinde entwickeln sich vor allem in städtischen Bereichen Kanadagans, Nerz, Sumpfbiber, Bisamratte und Waschbär zu zügellosen Mitbewohnern. - Ein äußerst interessantes, reichhaltig bebildertes Buch, das abseits jeder Naturromantik die ungewollte Kehrseite evolutionärer Entwicklungen aufzeigt. Ab mittleren Beständen geeignet.
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Unheimliche Eroberer
Wolfgang Nentwig (Hrsg.)
Haupt (2011)
251 S. : zahlr. Ill. (überw. farb.), Kt.
fest geb.