Salih der Träumer
Mit orientalischer Erzählfreude und überbordender Phantasie verknüpft der mittlerweile auch in Deutschland sehr geschätzte Autor des Welterfolgs "Memed mein Falke" (1955) in seinem berührenden und spannenden Jugendroman Phantastisches und Reales,
Märchenmotive und harte Milieuschilderung. Im Zentrum steht der "Träumer" Salih, ein kleiner türkischer Junge. Tapfer und ängstlich, anlehnungsbedürftig und freiheitsliebend sucht er seinen Weg heraus aus seinem ereignis- und freudlosen Dasein. Eines Tages findet er am Strand des Schwarzen Meeres eine verletzte Möwe. Seine zutiefst verbitterte Großmutter verweigert ihm ihre heilende Salbe, ja sie tötet am Ende sogar den "verschissenen Drecksvogel", den Salih mit größtem Einsatz gesund gepflegt hatte. Der nichtsnutzige Vater hat die Familie verlassen, Metin, ein Bandit, Schmuggler und heroisiertes Vorbild Salihs stirbt im Kugelhagel einer rivalisierenden Bande. Zurück bleiben die von ihrem Mann verlassene tyrannische Großmutter, die hilflose Mutter und die Schwester - und Salih, dessen Traum, als Matrose dem armseligen Fischerdorf zu entfliehen, sich zerschlagen hat. - Das Leben der Frauen in einem kleinen türkischen Dorf an der Küste des Schwarzen Meeres ist im frühen 20. Jh. von Armut, Unterdrückung und stupider Tagelöhnerarbeit geprägt, die Männer bestätigen sich in patriarchalischer Tyrannei, zu Reichtum kommt man fast nur durch Korruption und Kriminalität in einer von Armut, Perspektivlosigkeit und vom Recht des Stärkeren geprägten, beinahe noch archaischen Gesellschaft. Eindrucksvolle Lektüre. (Übers.: Gerhard Meier)
Salih der Träumer
Yasar Kemal
Unionsverl. (2012)
412 S.
fest geb.