Der Mann, die Frau, das Schaf, das Kind
Als der alte Nüüdül von der hübschen jungen Dsajaa, die in demselben Hochhaus wohnt wie er, gebeten wird, kurz auf den Hammel zu achten, den sie mitbringt, ist er erfreut, auf diese Weise endlich mit der unnahbar scheinenden Nachbarin in Kontakt
zu kommen. Doch die kehrt so bald nicht wieder zurück, sodass er sich gezwungen sieht, den Hammel zu schlachten, wodurch Kindheitserinnerungen in ihm wach werden, denn Nüüdül ist als Nomade in der mongolischen Steppe groß geworden. Noch ahnt er nicht, dass Dsajaa wiederkehren wird und ihn so viel mit ihr verbindet, dass sie wie Vater und Tochter werden. - Tschinag lässt seine beiden Protagonisten in einer blumig-bildhaften Sprache gegenseitig ihre Lebensgeschichten überzeugend erzählen. Der in der Westmongolei in einer Jurte geborene und in der Steppe aufgewachsene Autor, der auf Deutsch schreibt, macht uns in diesem spannenden Roman mit der Lebensweise, den Traditionen, Werten und Mythen seines Volkes vertraut. Lesenswert!
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Mann, die Frau, das Schaf, das Kind
Galsan Tschinag
Unionsverl. (2013)
392 S.
fest geb.