Die Witwe der Brüder van Gogh
Johanna van Gogh-Bonger, schon zu Lebzeiten etwas pointiert, gleichwohl mit gewisser Berechtigung, die Witwe der Brüder van Gogh genannt, steht im Zentrum dieses kurzen Romans, der den Zeitraum von etwa zwei Jahren beleuchtet. Nach der psychischen
Erkrankung und dem Tod Vincent van Goghs - er hat sich am 19. Juli 1890 eine Kugel in die Brust geschossen - verfällt auch sein jüngerer Bruder Theo van Gogh in eine tiefe Depression, vernachlässigt seinen Beruf und seine Familie, "kehrt der Gegenwart den Rücken und fristet sein Dasein, indem er sich ausschließlich den Erinnerungen an seinen toten Bruder widmet." (S. 59) Theo hatte seinen älteren Bruder lange Jahre finanziell unterstützt und befand sich, wie die mehr als 600 Briefe belegen, in ständigem Gedankenaustausch mit ihm. Kaum ein halbes Jahr nach Vincents Tod stirbt auch Theo und seine Frau Johanna übernimmt nun die Aufgabe, van Goghs Bilder in Galerien unterzubringen, Ausstellungen und den Verkauf zu organisieren und seinem Werk die Anerkennung zu verschaffen, die es verdient. Nach zwei Jahren scheint dies gelungen und damit endet der Roman, der sich formal als von häufigen persönlich gefärbten Tagebucheintragungen Johannas unterbrochener meist eher sachlich gehaltener Erzählerbericht darstellt. - Vor allem für Leser zu empfehlen, die sich für van Gogh, seine Kunst und die Kunstszene dieser Zeit interessieren.
Die Witwe der Brüder van Gogh
Camilo Sánchez
Unionsverl. (2014)
179 S. : Ill.
fest geb.