Öl auf Wasser
Der 22-jährige Rufus arbeitet für eine Zeitung in Port Harcourt (Nigeria). Als er den Auftrag erhält, im Hinterland nach einer entführten Geisel zu suchen, wird ihm mulmig. Doch eine Reporterlegende, der gealterte und auch heruntergekommene Zaq
soll sein Begleiter sein. Ihre Suche nach der Ehefrau eines britischen Erdölingenieurs gestaltet sich dann aber sehr abenteuerlich und gefährlich. Entführungen werden von diversen Rebellengruppen häufig praktiziert. Meistens trifft es Weiße, Mitarbeiter von mächtigen Mineralölkonzernen oder deren Angehörige. Wenn Journalisten bestätigen können, dass die Geisel wohlauf ist, werden die Lösegeldverhandlungen ohne Regierungsbeteiligung durchgeführt. Aber Rebellen sind nicht gleich Rebellen. Einigen Gruppen geht es wirklich darum, die radikale Umweltzerstörung durch die Ölbohrungen zu beenden und die allgegenwärtige Korruption zu bekämpfen. Andere sehen in den Entführungen nur eine Lebensgrundlage. Und dann gibt auch noch Regierungstrupps mit zweifelhaften Motivationen. - Diese im Nigerdelta angesiedelte Geschichte spielt Anfang 2000, ist spannend, kommt aber ohne die üblichen Krimizutaten aus. Geschrieben in einem eindrucksvollen, fesselnden Stil, ohne Larmoyanz und Schuldzuweisungen. Häufigere Perspektivwechsel und Zeitsprünge erfordern schon aufmerksames Lesen. Aber es lohnt sich. Ein bemerkenswerter Roman, der jeder Bücherei zu empfehlen ist. (Übers.: Thomas Brückner)
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Öl auf Wasser
Helon Habila
Unionsverl. (2019)
UT ; 829
252 S.
kt.