Schöne Ruinen
In „Bella Italia“ erreicht der Touristikboom zu Beginn der 1960er Jahre seinen Höhepunkt, doch davon ist im winzigen (fiktiven) Fischerdorf Porto Vergogna nichts zu spüren. Der junge Pasquale Tursi, Besitzer eines kleinen Hotels mit Taverne,
will das ändern und versucht, mit eigenen Händen dem Meer einen Strand und den Felsen einen Tennisplatz abzutrotzen, um so reiche, möglichst amerikanische Touristen anzulocken. Eines Tages bringt ein Boot die Amerikanerin Dee ins Dorf und Pasquale verliert sein Herz an die angelblich schwer kranke Schauspielerin aus dem Cast des Films „Cleopatra“, der zeitgleich in Rom gedreht wird. Damit beginnt eine wundervolle Liebesgeschichte, die nicht nur die Lebenswege von Dee und Pasquale bis ins hohe Alter verfolgt, sondern auch eine Reihe echter und fiktiver Hollywood-Größen ins Spiel bringt, allen voran den großen Richard Burton, den sein unsolider Lebenswandel allmählich zu einer „schönen Ruine“ werden lässt. Jess Walter versteht es auf grandios unterhaltende und tief berührende Weise, sowohl das Lebensgefühl der 1960er Jahre als auch einen Rückblick in den Zweiten Weltkrieg und ein sich stetig wandelndes Hollywood lebendig werden zu lassen. All seine Figuren, auch die kleinste Nebenrolle, werden liebevoll mit einer turbulenten, aber nachvollziehbaren Vita ausgestattet. Ob er dabei in der Beschreibung Burtons zu weit gegangen ist, indem er ihm ein uneheliches Kind andichtet, mag jeder für sich selbst entscheiden. Diese Neuausgabe eines Romans von 2013 bietet hollywoodreife Unterhaltung für alle Büchereien.
Susanne Steufmehl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Schöne Ruinen
Jess Walter ; aus dem amerikanischen Englisch von Friedrich Mader
Kampa (2026)
410 Seiten
fest geb.