Die letzten Tage des Comandante
Der pensionierte Onkologe Miguel Sanabrias sieht sich Ende des Jahres 2012 mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert: Sein Neffe Vladimir, ein Regierungsangehöriger, übergibt ihm ein Handy, auf dem geheime Informationen über den erkrankten Regierungschef
Chavez gespeichert sind. Er soll es aufbewahren und auf neue Anweisungen warten. Während das Staatsoberhaupt mit dem Leben ringt, geht ein Graben durch die Bevölkerung und durch Sanabrias' Familie, der Chavezanhänger von dessen Gegnern trennt. Neben der Geschichte des Arztes wird die Geschichte zweier weiterer Familien erzählt. Da ist die zehnjährige Maria, deren Mutter sie nicht mehr aus dem Haus gehen lässt aus Angst vor der Gewalt in den Straßen Caracas' und da ist die Familie des Journalisten Fredy, der versucht ein Buch über die letzten Tage Chavez' zu schreiben und sich dafür auf gefährliches Terrain begibt. Und nicht zu vergessen seine Vermieterin, die aus dem Ausland zurückkehrt und hofft, im sich verändernden Venezuela wieder Fuß fassen zu können. All diese Geschichten werden in einer bildhaften, treffenden Sprache erzählt. Der Autor, der in Venezuela lebt und die erste dokumentierte Biografie von Hugo Chavez veröffentlichte, zeigt uns eine Innenansicht seines Landes, die gleichermaßen mitreißt, fasziniert und informiert. Allen Beständen empfohlen. (Übers.: Matthias Strobel)
Barbara Dorn
rezensiert für den Borromäusverein.
Die letzten Tage des Comandante
Alberto Barrera Tyszka
Nagel & Kimche (2016)
249 S.
fest geb.