Ein Raum aus Blättern
Elizabeth Macarthur, ihr Mann John sowie ihr kleiner Sohn besteigen Ende des 18. Jahrhunderts ein Schiff nach New South Wales. Die australische Sträflingskolonie ist erst kurz zuvor gegründet worden. Die junge Familie erwartet ein unerschlossenes
Land, in dem sie anfangs in einer Hütte mit Palmendach haust. Doch der Offizier Macarthur hat große Pläne. Er weiß genau, wie er Menschen manipulieren und Dinge zu seinem Vorteil ändern kann. Er besorgt sich Strafgefangene, die ihm ein größeres Haus bauen und steigt in der Militärhierarchie langsam auf. Seiner Frau bleiben die Bücher des Schiffsarztes und ihr kleiner Salon, in dem sich die Engländer regelmäßig treffen. Die wissbegierige Elizabeth bittet den Astronomen Mr. Dawes, ihr Unterricht in Sternenkunde und Botanik zu erteilen. Bei den regelmäßigen Treffen verliebt sich das ungleiche Paar und geht eine heimliche Beziehung ein. - Die bekannte australische Schriftstellerin Kate Grenville erzählt die fiktive Romanbiografie der realen Elizabeth Macarthur, eine der ersten englischen Siedlerinnen. Rückblickend schildert sie ihr Ringen um Eigenständigkeit. Der „Raum aus Blättern“, den sich die Protagonistin schafft, wird für die Leser*innen lebendig. Da die unmenschliche Behandlung der Gefangenen und die Auseinandersetzung mit den Ureinwohnern nur am Rande erwähnt werden, eignet sich der Roman mit ruhigem Erzählfluss auch für empfindliche Gemüter. Breit empfohlen!
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein Raum aus Blättern
Kate Grenville ; aus dem Englischen von Anne Emmert
Nagel & Kimche (2021)
368 Seiten
fest geb.