Wild wuchern
Marie flieht nach manchen Gewalterfahrungen aus ihrer Beziehung zu Peter. Ein Schlag ins Gesicht hat ihr das unmittelbar bevorstehende hoffnungsvolle Bewerbungsgespräch unmöglich gemacht. Als Revanche schlägt sie den Partner mit einer Bleikristallvase
auf den Kopf und macht sich überstürzt auf den ihr einzig erfolgreich erscheinenden Weg zu ihrer Cousine Johanna, die einsam auf einer kleinen Alm in Tirol lebt. Diese Cousine hatten ihr die beiden Mütter, Zwillingsschwestern, in Kindheit und Jugendzeit "angebunden", damit sie die ungewöhnliche, meist stumme Gleichaltrige auf den Wegen in Schulzeit und Pubertät mitnimmt. Von dieser von ihr empfundenen Last befreite sie der Großvater, der sich Johanna als Lieblingsenkel auserwählt hatte. Sie durfte mit ihm zu seinem Rückzugsort von der Familie, Marie wurde von dort verstoßen. Jetzt treffen die beiden Frauen wieder aufeinander und fremdeln auf engstem Raum miteinander. Während eines Unwetters berichten sie einander ihre Lebensprägungen und schauen nach dem reinigenden Gewitter gemeinsam in eine Zukunft fern von der Zivilisation. – Köller schreibt eine faszinierende, aber raue Frauengeschichte mit poetischer Kraft. Eigensinnigkeit und Schönheit der Natur umgeben diese Geschichte vernachlässigter Kinder und ihren Wegen in ein selbstbestimmtes Leben. Sehr empfohlen.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wild wuchern
Katharina Köller
PENGUIN Verlag (2026)
205 Seiten
kt.