Das ist einer, der lebt!
Im Alter von acht Jahren ist Ralf mit seiner Mutter, einer bekannten Schauspielerin, auf einem Flohmarkt in Berlin unterwegs. Eine alte Postkarte kommt ihm in die Finger und er verspürt den drängenden Wunsch, sie zu besitzen. Erst viel später wird
er feststellen, dass die Karte mit großer Wahrscheinlichkeit von Arthur Craven, einem Neffen Oscar Wildes, geschrieben wurde. In Cravens Leben sieht er wundersame Ähnlichkeiten mit seinem eigenen Leben, angefangen mit dem gleichen Geburtstag 100 Jahre zuvor. Als Jugendlicher verliebt sich Ralf in seine polnische Mitschülerin Malgorzata. Nach einem glücklichen gemeinsamen Jahr trennen sich die Wege und erst 2012, nach sieben Jahren, ist Malgorzata wieder zurück, um ihre Promotion über Avantgardistinnen an der Universität in Berlin zu beenden. Als Wissenschaftlerin ist sie besonders fasziniert von der Person Mina Loy, einer Futuristin, die mit Arthur Craven bis zu seinem Verschwinden verlobt war. Ralf ist inzwischen in der Werbebranche erfolgreich. Beide suchen Abstand von ihren Familien und starten in eine gemeinsame Zukunft. Zwei Söhne bekommt das Paar und mitten im Glück geschieht ein tragischer Unfall. Ralf droht deswegen abzustürzen. Die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte Arthur Cravens, der mit seiner Unverfrorenheit allen schwierigen Situationen trotzte, hält ihn am Leben. In diesem sprachlich wunderbaren Roman erzählt der Protagonist Ralf gefühlsoffen und in leisen Tönen abwechselnd von seiner Geschichte und der von Arthur Craven genau einhundert Jahre zuvor. Lesenswert!
Gabriele Berberich
rezensiert für den Borromäusverein.
Das ist einer, der lebt!
Manuel Niedermeier
Penguin Verlag (2023)
235 Seiten
fest geb.