Evas Tochter
Es beginnt mit dem Auftauchen eines Zeltes auf dem Bürgersteig im gut situierten Villenviertel einer ostdeutschen Kleinstadt vor den Toren der großen Stadt. Es ist Sophie, die schwierige Tochter von Eva, die ihr Zelt als Anklage oder Hilferuf vor
der verlassenen Villa der Eltern aufgeschlagen hat. In abgeschlossenen Kapiteln werden im weiteren Verlauf die Leben von sieben unterschiedlichen Frauen mit Verbindungen in die Nachbarschaft und zu Sophie erzählt. Da ist die verwitwete einsame Kinderkrankenschwester in Rente, Hanne, die gerne ein Kind gehabt hätte. Dann natürlich Eva, Sophies Mutter, überfordert mit diesem schwierigen Kind. Die Freundinnen Greta und Hjördis, beide Künstlerinnen mit Kindern und Mann, beide in Trennung. Oder Judith, Witwe und ehemalige Pfarrersfrau mit dem Beginn einer neuen Partnerschaft. Freundinnen, Weggefährtinnen auf Zeit und Verbündete in den Herausforderungen von weiblichem Leben. Ein lebenskluges Buch, in dem geplante und unfreiwillige Lebensentwürfe von Frauen im kleinen Nachbarschaftskosmos miteinander verwoben werden: mal angepasst oder rebellisch, mit oder ohne Kinder, jung und älter, auf der Suche oder angekommen, mit Reflexion und Selbstzweifeln. So unterschiedlich die Frauen im Alter und Familienkonstellationen, so unterschiedlich ist auch ihr Alltag mit den ganz normalen Widerfahrnissen des Lebens. Von Trennung und Verlassenwerden bis hin zu neuer Beziehung und Liebe im Alter. Einfühlsam erzählte Frauenporträts aus der Mittelschicht – für jede Bücherei sehr gut anschaffenswert.
Karin Steinfeld-Bartelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Evas Tochter
Annette Mingels
Penguin Verlag (2026)
237 Seiten
fest geb.