Klar sehen und doch hoffen
Der evangelische Theologe und Publizist legt seine politische Autobiografie vor. Dabei stehen für ihn nicht so sehr seine persönlich-privaten Lebensdaten und -stationen im Vordergrund, sondern sein Wirken und Arbeiten als Theologe und engagierter
Bürger. Wortgewaltig beschreibt er, was seine geistig-theologischen Grundlagen sind. Er schildert, wie sich um ihn als Studentenpfarrer in Merseburg und später als Prediger in Wittenberg kirchliche Kreise bildeten, die in Opposition zur SED und der Stasi standen. So wurde Schorlemmer eine wichtige Figur in den Umwelt- und Friedenskreisen, die eine sozial andere DDR wollten. In der Wendezeit 1989 war er Mitbegründer der Bürgerbewegung "Demokratischer Aufbruch". Später schloss er sich der SPD an. Von Beginn an in seiner Tätigkeit als Theologe stand Schorlemmer mit seiner Familie im Visier der Stasi. Trotzdem plädiert er für einen differenzierenden und versöhnlichen Umgang mit der DDR-Vergangenheit. - Die umfängliche Autobiografie macht es dem Durchschnittsleser nicht immer leicht zu folgen, in welchem Lebensabschnitt Schorlemmers man sich befindet. Auch wären an manchen Stellen erklärende Anmerkungen sinnvoll gewesen, was Stasi-Abkürzungen und so manche erwähnte Person angeht. Trotzdem ein lesenswertes Buch über einen Theologen, der es als seine Pflicht ansieht, auch Missstände der heutigen erweiterten Bundesrepublik zu kritisieren und nicht nur in der DDR als Bürgerrechtler aktiv gewesen zu sein.
Helmut Lenz
rezensiert für den Borromäusverein.
Klar sehen und doch hoffen
Friedrich Schorlemmer
Aufbau (2012)
523 S. : Ill.
fest geb.