Rimbaud und die Dinge des Herzens
Charly, ein zehnjähriger schwarzer Junge, der als Sohn einer von ihrem Mann verlassenen Mutter aus Mali in einer modern monotonen Wohnturm-Siedlung am Rand von Paris lebt, streunt einen Tag lang durch sein Viertel, weil seine Mutter am Morgen von
drei Polizisten abgeholt wurde und ihm dabei nicht zugelächelt hat. Er schwänzt an diesem Tag die Schule, sucht z.B. seinen drogenabhängigen älteren Bruder in Verstecken eines verlassenen, düsteren Supermarktkomplexes und seine Freunde am späten Nachmittag am Sportplatz, er wird auch in das Haus seiner heimlich verehrten Schulfreundin eingeladen, besucht das alte Ehepaar, bei dem seine Mutter den Haushalt führt, und kommt spät nachts in den Keller seines Wohnturms heim, wo er weiterhin von seiner Mutter (nur) träumt ... - Aus dieser knappen Inhaltsangabe kann man freilich fast nichts ablesen über diese warmherzige, anrührende und menschliche Erzählung. Der Ich-Erzähler führt uns nämlich im Laufe dieses Tages in seine ganze Gedanken- und Phantasiewelt ein und schildert uns liebevoll und einfühlsam das Leben eines einsam inmitten seiner Schulkameraden lebenden zehnjährigen Schwarzen mitten in der brodelnden Vorstadt von Paris. Er singt ein Loblied auf seine verlassene, tapfere Mutter, schätzt seinen unter die Räder gekommenen älteren Bruder, schwärmt von den Versen Rimbauds und seiner heimlichen Liebe und liebt das Leben mit seinen Freunden. Diesen lebensmutigen, weisen Charlie werden viele Leser ins Herz einschließen können. - Eine Bereicherung für jede Bücherei. (Übers.: Olaf Matthias Roth)
Georg Bergmeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Rimbaud und die Dinge des Herzens
Samuel Benchetrit
Aufbau (2011)
253 S.
fest geb.