Der dunkle Fluss
Benjamin und seine fünf Geschwister leben in gesicherten mittelständischen Verhältnissen in einer kleinen nigerianischen Stadt. Als der Vater aus beruflichen Gründen in die Metropole Yola versetzt wird, muss ihre Mutter allein für die Erziehung
ihrer Kinder sorgen. Und damit bahnt sich die Katastrophe an: Gegen das Verbot der Eltern gehen Benjamin und seine drei älteren Brüder an den nahegelegenen Fluss zum Fischen. Eines Tages werden sie dabei von dem Geisteskranken Abulu überrascht. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen Ikenna, dem ältesten Bruder Benjamins, und Abulu, in deren Lauf der Irre den Jungen verflucht. Dieser Fluch ändert Ikennas Leben: Er kapselt sich ab, wird gegenüber seinen Brüdern und seiner Mutter immer aggressiver; schließlich wird er von seinem Bruder Boja im Streit erstochen, der sich deshalb kurz darauf selbst das Leben nimmt - der Fluch Abulus ist Wahrheit geworden. Um ihre Brüder zu rächen, bringen Benjamin und sein Bruder Obembe schließlich Abulu um. Obembe flieht, der knapp zehnjährige Benjamin wird zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Als er schließlich aus der Haft kommt, trifft er nicht nur seine Eltern und jüngeren Geschwister wieder, sondern auch seinen heimgekehrten Bruder Obembe. - Der erste längere Roman des jungen nigerianischen Schriftstellers ist ein großer Wurf. Obioma schreibt in einem für sein Alter sensationell reifen, poetischen, elementaren Stil mit wunderbaren Bildern, der das Lesen zum ästhetischen Vergnügen macht. Und er beschreibt so authentisch, dass man ganz nebenbei eine Fülle an Informationen über das Nigeria der 1990er Jahre erhält. Für alle Büchereien unbedingt zu empfehlen! (Übers.: Nicolai von Schweder-Schreiner)
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der dunkle Fluss
Chigozie Obioma
Aufbau (2015)
313 S.
fest geb.