Die Weltverbesserer
Ob Klimakleber, Studentenrevolte oder ein Instrument der NSDAP – Aktivismus ist kein Phänomen unserer Zeit, sondern es gab ihn schon immer in jeder politscher Couleur und unter verschiedensten Namen, mal als Sofaaktivisten, die nur in den sozialen
Medien aktiv sind, mal als Kohlekumpel, die um ihre Lebensform kämpfen. Aktivismus wurde von den Nationalsozialisten ebenso aktiv benutzt wie vom sozialistischen Regime in der DDR. Der Kulturjournalist Knut Cordsen behandelt sehr ausführlich die Geschichte des deutschen Aktivismus in den letzten 150 Jahren, zitiert Zeitgenossen, Aktivisten, Philosophen und Politologen. So ordnet er aktuelle Trends wie Fridays for Future, PETA oder Querdenker in einen historischen und politischen Kontext ein. Auf die im Untertitel gestellte Frage, wieviel Aktivismus die Gesellschaft verträgt, wann er voranbringt und wann er bremst, darauf gibt Cordsen keine klare Antwort. Das muss die Leserschaft auf der Basis der reichhaltigen Informationen selbst entscheiden. – Insgesamt ein sehr interessantes Buch, das medial sehr präsente Entwicklungen aufgreift, bei der Einordnung hilft und zum Nachdenken anregt. Ab mittleren Beständen gut geeignet.
Dorothee Rensen
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Weltverbesserer
Knut Cordsen
aufbau (2022)
140 Seiten
fest geb.