Stand jetzt
Knut Cordsen, eines der Urgesteine des deutschen Kulturjournalismus, hat mit diesem Buch eine besondere Art der Sprachkritik abgeliefert. In kurzen Essays spürt er der Herkunft und dem (unsachgemäßen) Gebrauch von zahlreichen Phrasen und inflationär
gebrauchten Ausdrücken nach, die zurzeit (eben "Stand jetzt") im öffentlichen deutschen Diskurs vorkommen. Darunter finden sich Klassiker wie das "Aus", die "Brandmauer", den immer häufiger vorkommenden englischen Diminuitiv auf "-ie" ("Homie", "Bestie"…), die "Wende" oder das "Zurückholen". Cordsens elegante Sektion dieser und vieler anderer Ausdrücke ist durchaus nicht abwertend oder gar verbietend, aber eine gewisse Traurigkeit angesichts der Verhunzung der deutschen Sprache scheint doch durch. Dass er hofft, man möge doch aufhören, solche Ausdrücke zu verwenden, zumindest auf diese Weise, das schwingt in nahezu jedem Satz mit. Ob man dem zustimmen mag oder doch vermutet, dass Sprache sich eben konstant wandelt und Wandel für sich genommen eigentlich gut ist – der Wert dieses Buches bleibt. Zumindest in dieser Zeit. Denn – "Stand jetzt" arbeitet viel mit Beispielen aus der, nun ja, "Jetztzeit". Es ist zu vermuten, dass so manche Politikerrede oder auch so mancher Politiker selbst in wenigen Jahren vergessen sein wird; ohne solche Zeitbezüge dürften die Texte von Cordsen aber einiges an Vergnüglichkeit verlieren. Andererseits ist aber zu vermuten, dass in wenigen Jahren sich auch die Sprache wieder soweit gewandelt haben wird, dass es ein neues Büchlein dieser Art bräuchte. Gerne wieder von Knut Cordsen. – Größeren Beständen gerne empfohlen.
Friedrich Röhrer-Ertl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Stand jetzt
Knut Cordsen
Verlag Antje Kunstmann (2025)
143 Seiten
fest geb.