Peter Nimble und seine magischen Augen
Peter Nimble, der kleine Dieb, lebt die ersten zehn Jahre seines Lebens in ärmlichsten Verhältnissen - ein zweiter Oliver Twist. Noch dazu ist er blind, und ihm wird eine wahrhaft mythische Säuglingszeit nachgesagt: Er wurde, Moses gleich, in einem
Körbchen im Wasser treibend aufgefunden; Raben hatten ihm die Augen ausgehackt. Dafür sind Peters andere Sinne umso ausgeprägter, und sein Diebeshandwerk hat ihn zu einem Meister im Schlösserknacken gemacht. Diese Eigenschaften befähigen ihn zu Höherem. Als Peter in seinem Diebesgut ein Kästchen mit drei Augenpaaren findet, kippt die Geschichte von Dickens'schem Realismus ins Märchenhafte. Denn als Peter sich die goldenen Augen versuchsweise einsetzt, wird er in den Sorgensee von Professor Cake gespült. Dieser, so erfährt Peter, hat ihm die magischen Augen zugespielt, damit er ihn auf eine Mission schicken kann. Denn in einer rätselhaften Flaschenpost aus dem Verschwundenen Königreich bittet ein Volk um Rettung. Harry Potter gleich, akzeptiert Peter sein Auserwähltsein und tritt eine spannende Reise in eine Welt an, in der Zahnräder noch als ein Werk der Magie gelten. - "Peter Nimble" ist das erste Kinderbuch des Drehbuchautors Jonathan Auxier, der tief eintaucht in den narrativen Fundus des Abendlandes. (Manches wirkt fast ein bisschen zu dick aufgetragen.) Schön sind die ironischen Kommentare seines Erzählers, der die Leser direkt anspricht, die gefährlichen Szenen unterbricht und somit entschärft. - Besonders Jungs werden sich gerne mit dem einfallsreichen Helden identifizieren.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Peter Nimble und seine magischen Augen
Jonathan Auxier
Aufbau (2012)
414 S. : Ill.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 11